Die 4 Eckpfeiler eines schlechten Wochenendes
by Hansen de Sadé
Entgegen der sonst gewohnten, äußerst klugen und originellen Einleitung eines Artikels von mir, will ich heute nicht schwafeln, sondern direkt zuschlagen. Schließlich geht es hier nicht darum einen Literaturpreis zu gewinnen, sondern möglichst viele regelmäßige Leser zu bekehren, damit wir irgendwann sehr dezent Viagrawerbung platzieren können, damit hier mal was rumkommt.
Also folgende Themen stehen auf der Agenda: Cindy aus Marzahn, Schlagermove, Bushido und Solitary. Wie das zusammenpasst? Es sind die 4 Tiefs meines Wochenendes.
Erstens, Cindy aus Marzahn & die jungen Wilden. Dieses pinke, runde Etwas. Voll mit übertriebener und gespielter Asozialität. Irgendwie ist es ja schön, dass so ein (von vielen nicht mal gespieltes) Verhalten auch mal karikiert wird. Allerdings habe ich das Gefühl, dass niemand versteht, dass es eine (etwas stumpfe) Parodie auf die komplette Unterschicht ist. Vielmehr scheinen viele zu denken, dass die Cindy ja viel asozialer ist als man selbst und man so ja ein ganz cooler Typ ist. Ich für meinen Teil verpüre die komplette Sendung über keine Regung in meinem Gesicht. Nur ein Mal kann ich schmunzeln. Das war als Cindy den Schuldenberater Peter Zwegat von RTL während einer Beratung um 50 € anschnorrt. Köstlich. Der Rest ist so abgrundtief unlustig, dass ich im Kopf schon beginne einen Beschwerdebrief zu formulieren.
Neuer Tag neues Glück, meint man.
Zweitens, Schlagermove. Der sog. Schlagermove ist eine jährliche Veranstaltung in Hamburg, die wohl mit der Loveparade zu vergleichen ist. Nur geht es dort musikalisch in eine andere Richtung. Der Rest: die schwachsinnige Aufmachung, der scheinbar legitime Drogenkonsum und die frei ausgelebte Sexualität bleiben. Ein Kollege warnte mich bereits zuvor und formulierte es recht treffend: „Dort feiern die Bekloppten ihren schlechten Geschmack.“ Die volle Tragweite dieser Aussage bekomme ich bald darauf zu spüren. In der S-Bahn sitzend warte ich, dass ich die Reeperbahn passiere, damit die Bahn leerer und damit auch erträglicher wird. Pustekuchen. Die ersten machen nämlich schon schlapp. Es ist 19.00 Uhr. In den Gang stellt sich eine Gestalt, die aussieht wie Alec Baldwin, allerdings mit Blütenhemd und Chucks. Er unterhält sich lautstark mit jemandem hinter mir. Folgenden Satz spricht das Etwas hinter mir dann mit viel Mühe: „Ey, der kommt aus Hamburg und fragt mich was denn heute los sei!“ Alec Baldwin grient nur und schüttelt ungläubig den Kopf. Kurze Zeit später werde ich mir der besorgten Blicke von Baldwin bewusst und merke gleichzeitig wie mich etwas schräg hinter mir berührt. Genervt drehe ich mich und schaue nach oben. Da werde ich aus mühevoll geöffneten Augen von einem Typen angeschaut, der sich nur noch mit Hilfe der Stange auf den Füßen halten kann. Meine größte Angst war, dass er mir in den Rücken kotzt. Zur Abwechslung spielt die Zeit aber für mich. Er und Alec Baldwin steigen an der nächsten Haltestelle aus.
Drittens, Bushido. Zu Hause angekommen führt mich mein erster Gang in die heimische Keramikabteilung. Ich bin nebenbei gesagt einer von denen, die neben dem Klo etwas zu lesen haben. Falls es mal länger dauert sozusagen. Momente Lektüre: Der Spiegel. Darin ein Interview mit Bushido über die derzeitige Situation der Integration von Ausländern in Deutschland. Denn Pünktlich zur WM und dem damit einhergehenden temporären Nationalstolz dürfen wir alle ja wieder ein bisschen Nazi sein. Also warum nicht mal wieder das Thema Ausländer in Deutschland auf den Tisch werfen? Bushido selbst antwortet oft wie man es von ihm erwartet mit Phrasen wie „ja man!“. Dabei sollte man bei einem erfolgreichen Musiker etwas Intelligenz vermuten. Immerhin wohnt Bushido in Berlin in einer Villa, die neben dem ehemaligen Anwesen von Gerhard Schröder liegt. Der Grund warum ich solche Art von Musik nicht leiden kann ist darin begründet, dass sie keinen erkennbaren Anspruch hat. Sie ist meist offensichtlich nicht schwer zu produzieren, ist textlich voll mit Klischees und leeren Phrasen und darauf angelegt möglichst vielen Leuten zu gefallen, damit Geld zu verdienen. Dann wiederum denke ich mir manchmal, ob ich da nicht mal alle über einen Kamm schere und ihnen Unrecht tue. Doch dann kommt so ein Bushido im Spiegel daher und protzt damit den diesjährigen WM-Hit in weniger als 60 Minuten produziert zu haben. “Den Text hatte ich in 20 Minuten. Die Beats gingen auch schnell”. Schlussendlich kann man behaupten, dass ich beim Lesen des Artikels produktiver gewesen bin als Bushido beim Arbeiten.
Viertens, Solitary. Mit Solitary versucht Pro7 dieses Jahr mal wieder dem Sommerloch beizukommen. Während man letztes Jahr noch mit “das Sommermädchen 2009″ ein vollkommen schwachsinniges und mit Sicherheit nicht ernstgemeintes Casting-Format zeigte, hat man sich dieses Jahr etwas ernsthafter mit dem Unterhaltungsbedürfnis der Deutschen beschäftigt und das im Vorhinein sogar entsprechend beworben. Heraus kam eine Mischung aus Big Brother, dem Film Cube und einem Gammelfleischskandal. Neun Personen (ich weigere mich an dieser Stelle sie als Prominente zu bezeichnen) werden in je ca. 8 m² große Kapseln eingesperrt. Alles wurde mit viel Aufwand möglichst futuristisch designed. Jede Person ist auf sich allein gestellt und sieht über den gesamten Zeitraum keine Andere. Einzige Möglichkeit zur Kommunikation ist eine Computerstimme, die keine ist. Bei Betätigung eines roten Buzzers bricht der Proband seinen Aufenthalt ab. Zwei Kandidaten dieser witzlosen Truppe sollte man sogar mal erwähnen. Zum einen ein ehemaliger DSDS Kandidat. Ein geschlechtsloses Etwas mit grünen Schlauchhosen, toupierten Haaren und MakeUp in der Visage. Damit jeder weiß wer es ist: Hier sein neues Video. Was soll man sagen? Er drückte nach einer Stunde den Buzzer und verließ seine Kapsel. Der andere Kandidat ist als Sieger einer Castingshow hervorgegangen und erreichte kurzeitig Bekanntheit. Als “Vollblutrocker” wurde er mit seinem großen Hit angekündigt. Kurz nach seinem Bekanntwerden besuchte er auch das weltweit bekannte Wacken Open Air um der Rocker-Gemeinde zu zeigen, dass er einer von ihnen ist. Man begrüßte ihn mit dem etwas eigenwilligen aber sehr ehrenvollen und traditionellen Gruß, dem nur Wenige zu Teil werden. Das Publikum zeigte ihm geschlossen den Rücken und hob den Mittelfinger in seine Richtung. Tja und der Rest der Bande ist wirklich hoffnungslos unbekannt. Demnach bleibt zu hoffen, dass Pro7 sowohl die Kameras als auch die Öffnungsmechanismen der Türen abschaltet und in den nächsten Jahren einfach den gesamten Sommer Alf Serien bringt.
Fazit: Scheiß Wochenende. Man sollte seine Knete wohl in eine sinnvolle Wochenendgestaltung investieren statt sie der Kirche, dem WWF oder einer terroristischen Organisation (ist ja doch alles dasselbe) zu spenden oder etwas Vernünftiges mit guten Freunden unternehmen.

