"Was nützt einem Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist?"

Die Wurst-Therapie

by Graf von Garstig

Hamburg, 6.3.2012. Seit wenigen Wochen wird in Castrop-Rauxel die erste, stationäre Therapieform für notorische Fleischverweigerer angeboten. Diese neumodische Therapie zielt auf Menschen ab, die aufgrund einschneidener Erlebnisse ihre Lust auf Fleisch und die in Fleischform gebrachten, tierische Erzeugnisse verloren haben. Oft sind es Kindheitstraumata in Form von Zoo- oder Bauernhofbesuchen, welche einem gesunden, jungem Menschenkind ein Bild von Leid und falschen Tatsachen vermittelt. Hierbei trifft auch die Schulen eine große Mitschuld, die leider meist erst viel zu spät erste Anzeichen richtig deuten oder denen gar entgegenwirkt. Rudi Scharlonzke, Direktor der Gesamtschule Castrop-Rauxel Nord hierzu: “Wir verlieren den Überblick! Alles wird hektischer, teurer und der Leistungsdruck steigt enorm. Kinder werden krank, das ist der Lauf der Dinge, leider. Schuld sind doch diese Haustiere, diese kleinen!”.

Castrop-Rauxel vor wenigen Jahren. Janosch ist 19 Jahre alt und möchte nächstes Jahr sein Abitur machen. Er ist beliebt, in seiner Freizeit spielt er Computer, eines dieser neumodischen Spiele. Er malt gerne, hört viel elektronische Musik und trifft sich mit Freunden um zu raufen oder zu reden. Dann lernte er Ralf kennen. Zuerst waren die Gespräche tiefgründig und intensiv, es ging um Filme, um Frauen und um schottischen Whiskey. Dann sprach Ralf es an, dieses eine Thema, welches Janosch komplett aufwühlte: Vegetarismus. Ralf infizierte Janoschs Denke und manipulierte ihn. Er fing an sich nicht mehr zu waschen, kämmte immer seltener sein nussbraunes Haar und hörte oft nur noch “Kuschelrock”-Alben aus den 90ern. “Beim ersten mal, als ich in einen dieser Naturläden ging, da wurde ich total nervös und schämte mich ein wenig. Ralf meinte, ich solle mal die Dinkelkekse ohne Zusatz von Geschmacksverstärkern probieren. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht einmal, dass es so etwas wie Geschmacksverstärker gab. Ich probierte vorsichtig einen dieser Kekse, sie wurden zum Verkosten angeboten. Meine Lippen waren rau und der Keks zerbröselte in meinem Mund. Ich musste an meine Mutter denken, an ihren Sonntagsbraten und wie viel Liebe sie immer hinein steckte. Ich verriet sie in diesem Moment und ich bekam Angst, musste weinen.”. In diesem Moment hätte Janosch einen richtigen Freund gebraucht, doch nur Ralf war zur Stelle. In den folgenden Monaten, berichtet uns Janosch, verlor er sich immer weiter in diesem Vegetarismus. Er aß nur noch wenig, keine tierischen Fette, keine Butter, keine Eier. Er nahm ab und sah nicht mehr so frisch aus wie früher. Doch er wollte Ralf beeindrucken, wollte genauso stark sein wie er, genauso angesagt.
“Tofu” sprach Ralf eines Tages zu Janosch. “Kennst du Tofu?”. Janosch blieb still, seitdem er auf tierische Nahrung verzichtete hörte er auch nicht mehr so gut wie früher und fragte vorsichtig nach “Wie ‘wozu’?”. “Nein, Tofu. Lust auf Tofu?”. Janosch wusste nicht wie ihm geschah. Vor ihm eine Schüssel, gefüllt mit dieser weißen Substanz. Es sah aus wie gefrorenes Vanilleeis – nur ohne Sahne. Mit einem gespieltem Lächeln aß er vorsichtig davon und alles zog sich in seinem Mund zusammen. Er fühlte sich missbraucht, fühlte diese gallertartige Masse auf seiner Zunge, dann schluckte er. Alles drehte sich. Seine Eltern fanden ihn neben einer Mülltone, welche zu einem dieser “Bioläden” gehörte. “Wir waren besorgt. Wir wussten, dass etwas nicht stimmt mit unserem Jungen. Aber es hat geschmerzt Janosch dann so zu sehen, ohne Hose. Zum Glück hatte mein Mann wie immer eine Bifi dabei, womit wir Janosch wieder auf die Beine holen konnten. Ich habe mich anschließend sofort in das World Wide Web eingewählt und  per Email einen Brief geschrieben um mich über diese neumodische Therapieform zu informieren. Janosch ist auf dem Weg der Besserung, ich danke Gott dafür”.
Janosch kann heute wieder lachen und seine Eltern begleiten Ihn bei diesem schweren Schritt. Er ist nun im “St. Schmetterling”-Klinikum in Castrop-Rauxel und wird dort unter Aufsicht von Fachärzten therapiert. Dr. Streng ist ihm zugewiesen und berichtet: “Janosch ist ein starker, junger Mann. Er macht große Fortschritte und alle, für ihn ausgewählten Therapieformen zeigen Wirkung. Für gewöhnlich starten wir mit einer Aromatherapie, doch nach langer Beratung mit seinen Eltern sind wir direkt zur Wurst-Therapie übergegangen. Man kann es sich so vorstellen: Der Darm, das Fundament einer Wurst, ist hier der Patient. Wurstbrät wird, unter Zuhilfenahme von Maschinen, dem Patienten oral hinzugefügt. Unter Aufsicht wird der Patient in einen Meta-Zustand versetzt. Ihm wird suggeriert, er sei der Darm.”
Weitere, vielversprechende Therapien wird Janosch noch absolvieren müssen, bevor er ohne zu weinen über “Hackfleischersatz”, “Tofu” oder “Fleischersatz in Bärchenwurstform” sprechen kann. Wir drücken Janosch weiterhin die Daumen, viel Erfolg!

Wird mal wieder Zeit..

by Graf von Garstig

Es ist schon wieder eine halbe Ewigkeit her und es wird ja mal wieder Zeit! Es gibt soviel worüber man erzählen könnte, doch das Schönste ist erstmal das neue Design, oder? Es strahlt eine gewisse Ruhe aus und das Beste daran: es ist umsonst. Ja nee, man glaubt es kaum, aber so ein überdurchschnittlich attraktives Design gibt es im Internet umsonst! Also diese Botschaft geht raus an jeden, welcher einen eigenen Blog führt: Ich sags mal so, traut euch, benutzt auch dieses Design, denn es ist umsonst und umsonst ist super und umsonst muss ja auch nicht immer direkt schlecht sein! Auch wenn es so klingen mag, als würde es sich nicht lohnen, als wäre es umsonst investierte Müh. “Für Umme” klingt ja wenigstens noch nach etwas. Nehmen wir mal an “Umme” wäre ein durchschnittlicher, 46 Jahre alter Mann, sagen wir mal ein bärtiger Friseur aus dem Ruhrpott. Dann würden wir diesen jenen quasi umtauschen gegen etwas Neues – “Das bekomme ich für Umme”, ein fairer Tauschhandel sozusagen. Etwas umsonst zu bekommen bedeutet ja, dass es keinen Zweck hat dieses anzunehmen, da man es dann ja umsonst angenommen hat. Versteht doch kein Arsch, alles umsonst erklärt.

UMSONST, UMSONST .. K O S T E N L O S ..

death by chocolate

by Graf von Garstig

“Konsum, Konsum!” schrie mein Hirn während ich ungeduldig in der Pfandrückgabeautomatenwarteschlange (Pfandrückgabeautomatenwarteschlange!) stand und mich auf den Pfandbon freute. Neuerdings kann man die Dinger sogar spenden – einen Pfandbon – das soll aber gar nicht das Thema sein. Links neben mir wuselten drei Mitarbeiter laut herum und bastelten an irgendwelchen Pappgestellen. Schokolade, die Reste von Ostern, in rauen Mengen. Und plötzlich die Preisschilder “jedes Teil 10 Cent”. Da hat wohl irgendein BWL Schlingel einmal zu viel “Ally McBeal” geguckt und sich voller Euphorie diesen Clou einfallen lassen: Alle Lager leeren, Schokoreste für die Fetten! 10 Cent, selbst für die Pralines von Lindt. Vor mir das Pärchen prügelte wie verrückt auf den Pfandbon-Buzzer und karrte die restlichen Pfandflaschen zum Schokoberg um unkontrolliert die ganze Kacke einfach hinein zu schippen – mit ihren dicklichen Händen, direkt auf die restlichen Pfandflaschen. Ekelhaft. Aus jeder Ecke kamen sie nun, die Konsum Zombies und wollten etwas ab bekommen. Derweil brachte ich meine Pfandflaschen weg und beobachtete das Spektakel – es war einfach nur widerlich. Dieses ganze Pack wird nach Hause fahren, die Sachen bei Gelegenheit an Enkel/Sohn/Wenauchimmer verschenken und Abends bei einem Glas Erdbeersekt ein Nougatei schlemmen. Und wer ist Schuld? Ölgesellschaften und Tierquäler!

Die Sache mit der Individualität..

by Graf von Garstig

Es war einmal ein junger Kerl, er hatte viele Freunde und wohnte in einer angesagten Gegend, trug angesagte Kleidung und neuerdings auch eine schöne, kastenförmige Brille mit Fensterglas. Die Brille kostete viel Geld, Geld welches er nicht besaß, aber sein Lifestyle verlangte danach. Er besaß zudem auch ein angesagtes Smartphone, aus echtem Glas, nicht so wie diese Plastikdinger!.. und dazu ein Notebook, aus einem einzigen Block Aluminium gefräst! .. nicht so wie dieser herkömmliche Müll aus Plastik. Dies war ihm wichtig und er sprach mit seinen besten Freunden darüber, weil es ihn bewegte. Oft schlief er ein, mit dem Notebook auf dem Schoß und nur zu gerne spürte er das kühle Aluminium auf seinen Oberschenkeln.
Seit wenigen Tagen nun besaß er seine neue Brille und oft stellte er sich einfach nur so in die Straßen und strahlte. Seine Röhrenjeans saß stramm und sein Shirt mit V-Ausschnitt unterstrich seine nicht vorhandene Brustbehaarung an seiner nicht vorhandenen Brust. Er stand einfach nur so da und lächelte, denn er war zufrieden, nun besaß er alles was ihn glücklich machte.
Eines Tages – inmitten des Lächelns – bemerkte der junge Kerl, dass etwas nicht stimmte! Sein Lächeln verebbte prompt und er fühlte diesen Druck auf der Nase. Als wäre diese Brille aus Blei! Sein Smartphone, sein Notebook und seine Kleidung, alles schien in Ordnung zu sein, doch diese Brille, sie schien zu rebellieren! Er fühlte sich unwohl und verlor seine Fröhlichkeit. Er brauchte doch dieses letzte Artefakt der Vollkommenheit, denn ohne diese Brille wäre er nichts, nur eine billige Kopie, ein Niemand, ein Irgendjemand, den es schon zigtausend mal gab. Er ging Heim, verließ die Straße  und wollte die Brille den restlichen Abend nicht mehr ablegen. diese Nacht, dachte er sich, würde sich die Brille sicherlich an ihn gewöhnen. Diese Nacht würde er sie tragen, sie würde seine Wärme spüren und alles wird gut! Aluminium spendete ihm Nähe und ehe er sich umsah, schlief er sanft und wohl behütet ein. Am nächsten Tag dann schleppe sich der Junge zum Spiegel. Was er da sah und auch schon vorher spürte gefiel ihm garnicht. 
Die Brille, sie wog viel, viel mehr als gestern noch. Zudem drückte sie pulsierend in kurzen Abständen auf seinen Nasenrücken. Was sollte er nun tun? Sollte er sie aufgeben? Sollte er weiterhin versuchen diese Brille zu bändigen? Er war verunsichert, denn damit hätte er nicht gerechnet. Die Brille hingeben entwickelte Gedanken, ärgerte sich wieso sie zu einem solchen Objekt verkommen ist. Viel früher, da konnte ihr Glas Dinge vergrößert, half den Menschen um wieder sehen zu können. Nun saß sie dort auf der Nase, zwischen zwei gepuderten Bäckchen, unter gezupften Augenbrauen und einer irren Frisur. Sie verstand nicht was vor sich ging und wieso ihr Zweck einzig der Belustigung diente. Sie wollte helfen, wollte sich nützlich machen und strampelte so fest sie konnte auf und nieder. Hätte sie einen Mund, würde sie schreien. Hätte sie Hände, würde sie dem Jungen die Augen ausstechen. Ihr Hass wuchs und wuchs und der Junge stand einfach nur so da und wollte nicht auf die Brille verzichten müssen. Er schrie: “Sei doch artig und hör bitte auf!”. Die Brille wippte wie verrückt, als hätte sie Ohren und hörte diesen Nonsens. Die Brille gewann an Wichtigkeit, als würde das Universum auf dem Kopf stehen. Plötzlich hörte sie auf, holte zum letzten Schlag aus und katapultierte den Jungen mit voller Wucht zu Boden. Der Nasenrücken knirschte, das Auge verformte sich wie ein Luftballon gefüllt mit Wasser. Tränen schossen aus beiden Augen und der Junge stützte sich mit voller Kraft vom Boden ab. Die Luft drückte sich aus seinen Lungen und er spürte wie die Brille sich in seine Haut bohrte. Immer tiefer drückte sie sich und stellte die Elastizität des rechten Auges auf die Probe… bis es nach gab.

*PLOPP*

Der Junge, geblendet vom Geschehen, wurde ohnmächtig und prallte mit dem Gesicht auf den kalten Boden. Die Brille sie lag neben ihn, musterte ihn und sprach mit leiser Stimme: “Keine Angst… du wirst nicht blinder sein als vorher“. Sie drehte sich um und beendete ihre kurze, intensive Existenz im nächstgelegenen Mülleimer.

Dies ist eine wahre Geschichte.

40 Sekunden

by Graf von Garstig

“Gudrun” hieß die Hündin, weich gebettet auf einer Decke auf dem Beifahrersitz eines Oldtimers. Der Halter dieses Gefährts – ein Hundefreund – sprach mit ihr, als wäre Sie ein in die Jahre gekommener Opernstar. Gudrun hechelte interessiert und verfolgte das Tun Ihres Herchens mit aufmerksamen und treuen Blicken. Der Mann, ein älterer, betuchter Herr. Er trug feinsten Zwirn, eine verschnörkelte Sonnenbrille und einen dunklen Schal aus schimmernder Seide.
Ca. 40 Sekunden bleiben einem beim Tanken um interessante, ja fast schon wundervolle Dinge wie diese zu erkennen und abzuspeichern. Ab Sekunde 25 dann, spielte sich folgendes ab: Der feine Herr, er tankte Super, flanierte elegant zu seiner Windschutzscheibe und beäugelte kritisch am äußersten Rand das Endprodukt eines Vogels auf dieser. Schlagartig wich jegliche Fröhlichkeit aus seinem Gesicht und dann war Sekunde 30 erreicht. Inbrünstig und qualvoll laut, sammelte er mit grunzenden Lauten, aus den Tiefen seines Atemwegssystems die letzten Reste verlorenen Speichels um diese durchwachsende Masse dann aus vollster Überzeugung, oral auf die Windschutzscheibe zu schleudern. “Qualitätskontrolle” beschreibt ganz gut was der Herr dann tat. Gudrun saß aufrecht und beobachtete das Geschehen von der anderen Seite der Scheibe. Mit ihrer feuchten Schnauze, ca. 20 Zentimeter vom Unglücksort entfernt, hörte sie schlagartig auf fröhlich zu sein und ihr treues Hecheln verstummte wahrscheinlich für immer. Ein Teil des in die Jahre gekommenen Opernstars ist an diesem Tag gestorben. Der Zapfhahn machte ein klackendes, erlösendes Geräusch und Sekunde 40 war erreicht.

I wear my sunglasses beneath the earth

by Der Herr Narr

Der Sommer kehrt langsam zurück, zieht sich mit den vom Winter noch durchgefrorenen Beinen durch den Frühling. Und wie freu ich mich schon wieder auf die sommerlichen Fahrten in den öffentlichen Verkehrsmitteln, zusammen mit meinen geliebten Mitmenschen. Wenn wir brüderlich zwar nicht das Blut, aber zumindest den Schweiß teilen. Transpirierende Einheitsbekundungen, so t(r)iefgreifend dass sie keiner Worte bedürfen, immerhin ist man ja eh damit beschäftigt den Atem acht Stationen lang anzuhalten. Aber all das ist noch in (leider nicht all zu) ferner Zukunft, momentan muss man sich mit den ersten Ausläufern zufrieden geben. Was aber vor dem Geruch kommt, ist die sonnenverbundene Idiotie des Individuums. Zu gerne würde man diese Dinge auf die Sonneneinstrahlung schieben, aber in U-Bahn-Röhren herrscht zumeist ja recht wenig davon, was das gestern Beobachtete nur noch merkwürdiger erscheinen lässt.
Da sitzt einem so ein geschniegelter, vor Haarpflegeprodukten mit zweifelhafter Konsistenz nur so triefender, Kerl gegenüber. Er liest ein Buch, was ihn ja eigentlich schon mal von den meisten seiner optischen Brüder unterscheiden sollte, doch irgendwie scheint er damit einige Probleme zu haben. Nach zwei Minuten fällt ihm dann auf, dass es anscheinend an seiner Sonnebrille liegen könnte, welche er zum Schutz vor der unterirdischen UVA-Strahlung zu tragen scheint. Also hebt er sie kurz an und man sieht kurzzeitig einen Funken von Intelligenz in seinen Augen aufblitzen als sein kleines Experiment ihm offenbart, dass man ohne Sonnenbrille diese lustigen kleinen schwarzen Dingerchen da im Buch viel besser erkennen kann. Dann sieht man ihn grübeln, irgendwas scheint ihn schwer zu wurmen, als ob er sich in einer Situation die über Leben und Tod entscheiden könnte befindet. Irgendwie kann man das arme Fashionvictim aber auch verstehen, immerhin heißt es jetzt ordentlich lesen zu können und nicht mehr wie ein Volltrottel auszusehen der zu dumm ist zu merken wenn er den Bereich der Sonneneinstrahlung verlassen hat. Oder aber weiterhin seine geile Ray Ban zu präsentieren, kein Wort lesen zu können und wie nen Spast anzumuten der sich mehr über die Marken an seinem Körper definiert als über seinen (anscheinend im Dauerurlaub befindlichen) Intellekt.

Dreimal dürft ihr raten wofür er sich entschieden hat. Wobei ich es fast schon wieder bewundernswert fand das er so stumpfsinnig war auch die weiteren zwanzig Minuten in sein Buch zu starren, wohlgemerkt ohne ein einziges mal umzublättern.

Vielleicht freu ich mich ja auch schon auf den Geruch wenn ich es mir genau überlege. Der würde mich zumindest soweit ausknipsen, dass es mir unmöglich wäre mir über so etwas Gedanken zu machen!

Auf in die Cloud..

by Graf von Garstig

Sie: “Ok hier.. Sophia textet rum.. Louis steckt Jonas Spielzeug ins Ohr.. Hannes, was machst denn du da?”
Er schmunzelnd: “Schadensbegrenzung!”

<dramatischer Zoom>

</dramatischer Zoom>

Sie: “Auf in die Cloud! Jetzt kann ich diese gurkigen Bilder nehmen und ratzfatz haben wir ein Familienfoto das ich posten kann. Windows kriegt hin, was meine Brut nicht hinkriegt.”

Jaja, diese Brut! Zur Weißglut treiben sie ihre Mutti, die so kümmernd mit ihrem stramm maskulinen Kurzhaarschnitt und dem lila Perwoll-Lumpen da sitzt. Entgleisende Gesichtsspastik kündigt an, was He-Man durch die Macht von Greyskull sucht: Kraft .. und ein dickes Schwert. Denn während ihr Mann still und heimlich sein Premium-Account von “devote-Hausfrauen” ausreizt und diese Blagen die guten Familienfotos versauen, flüchtet sie sich mit viel Geschepper in die Cloud. Verständlich irgendwie. Der Mann, ein sexuell frustrierter Versager, dazu noch diese zwei völlig verzogenen Drecksgören und eine bleiche, hässliche Tochter – wünscht sich niemand. Clark Kent, Bruce Wayne und auch ein bisschen Karl-Theodor zu Guttenberg haben mit der Cloud-Frau eins gemeinsam: Sie sind im Grunde Superhelden mit Superkräften, die sich hinter einer unscheinbaren Identität verstecken.
Der Mann und diese ekligen Kinder schaffen das, was Windows 7 nicht schafft: Ein aufkeimender, tief sitzender Wunsch in Mademoiselle Clouds Kopf, dieses ganze Pack ins Ausland zu verkaufen – bringt aber nur Ärger, deshalb spielt sie dieses heile Familienglück und spickt ihre Rhetorik mit unterschwelligen Beleidigungen, gerichtet gegen ihren Mann und die Kinder. Diese Brut und diese scheiß vergurkten Fotos! Sie hasst Ihr Leben so sehr und hält es hier nicht mehr aus.. schnell weg von hier! Auf in die Cloud..

Besser zu spät als nie – Frohes Neues 2011 !

by Graf von Garstig

Heureka, ein neues Jahr voller politischer Enttäuschungen und dem Gefühl für fremde Karrieren verfeuert zu werden. Degenerierte Menschen die bei Schicksal-Reality-Soaps mitfiebern und nicht mitlachen, sich freuen und feiern wenn der Papst das Wort “Kondome” ausspricht und zu Weihnachten ihr Siemens Schnurlostelefon zücken um für die kleinen, dickbäuchigen Kinder aus der Ferne den Messias zu spielen. Ich wünsche euch ein Jahr voller fremder Unglücke, auf das wir alle für einen Moment eins werden, quasi zusammenwachsen, und aus sicherer Entfernung Flutopfern, hungernden Kindern und Erdbebenopfern über Einschaltquoten unser Mitgefühl mitteilen können. Lidl-Angebote, 0%-Finanzierungen sowie ein neues Apple Produkt soll uns in diesem neuen Jahr unser Leben versüßen. Dazu gehört auch eine Unterlassungsklage, von Steve Jobs höchstpersönlich, da sich Apple Worte wie “das”, “es” und “Penisprotese” ab 2011 durch ein Patent schützen lässt. Ja, 2011 wird spitze. Der Januar ist kaum vorbei und es begeistern bereits zwei Reality-Casting-Jungle Dings.. Sendungen die interessierten Zuschauer. Diese sind mitlerweile so unglaublich dumm (also natürlich nur die Sendungen), dass selbst ich sie nicht mehr zu schauen wage. Und das sollte Beweis genug sein.. frohes Neues!

Kurz und schmerzhaft..

by Graf von Garstig

Man will Müsli essen, öffnet die Packung und entgegen kommt einem eine Postkarte mit irgendeinem verkacktem Hippie-Spruch und das Müsli sieht aus wie alte Holzwurmausscheidungen. Wieso sparen sich diese Spasten nicht ihre dumme Papp-Hochglanz-Stylo-Karte und kippen ein wenig Frische in mein Müsli ? Ich hasse diesen ganzen Industrieschrott und diese Werbeheinis, die glauben sie würden damit irgendwelche Leute erreichen und wären total “crazy”. Fahren nen Mini, singen bei Lotto King Karl mit um mal so    r i c h t i g    “abzurocken” und keulen sich einen auf minimalistische Pseudosprüche, die sie dann in mein scheiß Müsli packen! Ekelhaft, sucht euch nen Job, nen richtigen Job!
Das Müsli schmeiße ich weg und werde es nie wieder kaufen. Die Karte ist zerissen und ich werde sie später in irgendeinen Fluß schmeißen und ich hoffe, dass dadurch der Filter dieser einen bestimmten Industrieanlage verstopft, welche die gefilterte Frische aus meinem Müsli zu Sondermüll macht und in irgendeinen Fluß leitet um Tiere zu quälen.

Abenteuer Fahrschule – Teil 2

by Graf von Garstig

Ursprünglich sollte das Ganze ja eine Art Tagebuch werden, aber von Theorieunterricht zu Theorieunterricht musste ich mich immer mehr erholen und mehr verarbeiten. Nun fühle ich mich bereit, bereit davon zu berichten, auch wenn es oft schmerzt und ich eigentlich nicht darüber nachdenken möchte. Der Methboy war bis zum Schluss – bis auf ein bis zwei Ausnahmen – immer anwesend und prägte diesen Unterricht. Er blühte auf, wenn es um Negativbeispiele ging wie z.B. Drogen, Unfallfolgen und Fahrverbot, versagte dafür auf ganzer Linie bei Vorfahrtsfragen, Verkehrschildern und der deutschen Sprache. Dieses so einfach wirkende Geschöpf kam am Anfang mit nichts weiter als seiner Kleidung in den Unterricht, zum Ende hin jedoch saß er dort mit einem Schreibblock, Kaffee und einem Gesichtsausdruck der verriet, dass er genauso ahnungslos war wie vor ein paar Wochen noch. Und wenn er dann mal wieder kläglich an einem Antwortversuch scheiterte, lachte er immer noch genauso verunsichert und sagte jedesmal “ja, so halt!”. Auf dem Schreibblock stand übrigens immer nur das Datum und der Versuch eines geschriebenen Wortes.
Jetzt in diesem Moment fahre ich Bus. Es ist voll, die Scheiben sind beschlagen und neben mir sitzt ein ganz Interssierter, der unauffällig versucht mit zulesen. Im Gang steht ein Typ (ein Typ!) mit hässlichen Mondstiefeln, einem lila Schal, einer roten Daunenweste und einer stylischen “Arschkatzenfrisur“, direkt daneben ein älterer Herr, der nicht auf diese Frisur, dieser unklaren Geschlechtsdefinition klar kommt und ihn dauernd anstarrt. Ich könnte nun ausführlich davon berichten, was in diesem Bus vor sich geht, doch mein Ziel ist ein anderes. Man stelle sich nur mal vor der Methboy fährt mit seinem frisch erworbenen Führerschein, in seinem 30PS Polo frontal gegen diesen Mondstiefel gepolsterten Jungen. Achtung, dies ist nur ein Gedankenexperiment. Wahrscheinlich hat der Methboy rechts mit links verwechselt, das Ampelrot als Bedrohung empfunden oder war einfach nur mal wieder auf Crack. Der Mondschuhjunge fliegt kopfüber und in Zeitlupe über die Winschutzscheibe hinweg, erblickt den Methboy und fragt sich mit überraschtem Gesichtsausdruck “Warum?”. Der Methboy erblickt den gestiefelten Jungen, wie er gerade in Zeitlupe, mit fragendem Gesichtsausdruck und wehendem Nackenhaar an der Scheibe vorbeihuscht und stellt sich selbst die Frage “     ?”, die er rasch mit “ja, so halt!” beantworten kann. Stolz auf Frage und Antwort lächelt er und nickt dem Jungen freundlich und überlegen zu. Wäre der Junge überzeugter Monokel Träger, so würde dieses nun aufgrund eintgleisender Gesichtszüge zu Boden fallen. Hier möchte ich nun die imaginäre Zeitlupe beenden, d.h. der Junge verschwindet im toten Winkel (gemeines Wortspiel) und zerschellt dann geräuschlos. Der Methboy gerät ins Schlingern und bremst eher schleppend unter Zuhilfenahme der Fußgänger. Das Gedankenexperiment ist beendet. Will man das alles? Man könnte sicherlich mit “Sachschaden” argumentieren, wären da nicht die Fußgänger. Also nein, man will das nicht.  Also konzentriere ich mich weiter auf die Busfahrt, verdränge das Erlebte aus dem Theorieunterricht und genieße die Gestalten, die mein Leben in einer gewissen Art und Weise bereichern.