"Was nützt einem Gesundheit, wenn man sonst ein Idiot ist?"

Die 4 Eckpfeiler eines schlechten Wochenendes

by Hansen de Sadé

Entgegen der sonst gewohnten, äußerst klugen und originellen Einleitung eines Artikels von mir, will ich heute nicht schwafeln, sondern direkt zuschlagen. Schließlich geht es hier nicht darum einen Literaturpreis zu gewinnen, sondern möglichst viele regelmäßige Leser zu bekehren, damit wir irgendwann sehr dezent Viagrawerbung platzieren können, damit hier mal was rumkommt.
Also folgende Themen stehen auf der Agenda: Cindy aus Marzahn, Schlagermove, Bushido und Solitary. Wie das zusammenpasst? Es sind die 4 Tiefs meines Wochenendes.
Erstens, Cindy aus Marzahn & die jungen Wilden. Dieses pinke, runde Etwas. Voll mit übertriebener und gespielter Asozialität. Irgendwie ist es ja schön, dass so ein (von vielen nicht mal gespieltes) Verhalten auch mal karikiert wird. Allerdings habe ich das Gefühl, dass niemand versteht, dass es eine (etwas stumpfe) Parodie auf die komplette Unterschicht ist. Vielmehr scheinen viele zu denken, dass die Cindy ja viel asozialer ist als man selbst und man so ja ein ganz cooler Typ ist. Ich für meinen Teil verpüre die komplette Sendung über keine Regung in meinem Gesicht. Nur ein Mal kann ich schmunzeln. Das war als Cindy den Schuldenberater Peter Zwegat von RTL während einer Beratung um 50 € anschnorrt. Köstlich. Der Rest ist so abgrundtief unlustig, dass ich im Kopf schon beginne einen Beschwerdebrief zu formulieren.
Neuer Tag neues Glück, meint man.
Zweitens, Schlagermove. Der sog. Schlagermove ist eine jährliche Veranstaltung in Hamburg, die wohl mit der Loveparade zu vergleichen ist. Nur geht es dort musikalisch in eine andere Richtung. Der Rest: die schwachsinnige Aufmachung, der scheinbar legitime Drogenkonsum und die frei ausgelebte Sexualität bleiben. Ein Kollege warnte mich bereits zuvor und formulierte es recht treffend: „Dort feiern die Bekloppten ihren schlechten Geschmack.“ Die volle Tragweite dieser Aussage bekomme ich bald darauf zu spüren. In der S-Bahn sitzend warte ich, dass ich die Reeperbahn passiere, damit die Bahn leerer und damit auch erträglicher wird. Pustekuchen. Die ersten machen nämlich schon schlapp. Es ist 19.00 Uhr. In den Gang stellt sich eine Gestalt, die aussieht wie Alec Baldwin, allerdings mit Blütenhemd und Chucks. Er unterhält sich lautstark mit jemandem hinter mir. Folgenden Satz spricht das Etwas hinter mir dann mit viel Mühe: „Ey, der kommt aus Hamburg und fragt mich was denn heute los sei!“ Alec Baldwin grient nur und schüttelt ungläubig den Kopf. Kurze Zeit später werde ich mir der besorgten Blicke von Baldwin bewusst und merke gleichzeitig wie mich etwas schräg hinter mir berührt. Genervt drehe ich mich und schaue nach oben. Da werde ich aus mühevoll geöffneten Augen von einem Typen angeschaut, der sich nur noch mit Hilfe der Stange auf den Füßen halten kann. Meine größte Angst war, dass er mir in den Rücken kotzt. Zur Abwechslung spielt die Zeit aber für mich. Er und Alec Baldwin steigen an der nächsten Haltestelle aus.
Drittens, Bushido. Zu Hause angekommen führt mich mein erster Gang in die heimische Keramikabteilung. Ich bin nebenbei gesagt einer von denen, die neben dem Klo etwas zu lesen haben. Falls es mal länger dauert sozusagen. Momente Lektüre: Der Spiegel. Darin ein Interview mit Bushido über die derzeitige Situation der Integration von Ausländern in Deutschland. Denn Pünktlich zur WM und dem damit einhergehenden temporären Nationalstolz dürfen wir alle ja wieder ein bisschen Nazi sein. Also warum nicht mal wieder das Thema Ausländer in Deutschland auf den Tisch werfen? Bushido selbst antwortet oft wie man es von ihm erwartet mit Phrasen wie „ja man!“. Dabei sollte man bei einem erfolgreichen Musiker etwas Intelligenz vermuten. Immerhin wohnt Bushido in Berlin in einer Villa, die neben dem ehemaligen Anwesen von Gerhard Schröder liegt. Der Grund warum ich solche Art von Musik nicht leiden kann ist darin begründet, dass sie keinen erkennbaren Anspruch hat. Sie ist meist offensichtlich nicht schwer zu produzieren, ist textlich voll mit Klischees und leeren Phrasen und darauf angelegt möglichst vielen Leuten zu gefallen, damit Geld zu verdienen. Dann wiederum denke ich mir manchmal, ob ich da nicht mal alle über einen Kamm schere und ihnen Unrecht tue. Doch dann kommt so ein Bushido im Spiegel daher und protzt damit den diesjährigen WM-Hit in weniger als 60 Minuten produziert zu haben. “Den Text hatte ich in 20 Minuten. Die Beats gingen auch schnell”. Schlussendlich kann man behaupten, dass ich beim Lesen des Artikels produktiver gewesen bin als Bushido beim Arbeiten.
Viertens, Solitary. Mit Solitary versucht Pro7 dieses Jahr mal wieder dem Sommerloch beizukommen. Während man letztes Jahr noch mit “das Sommermädchen 2009″ ein vollkommen schwachsinniges und mit Sicherheit nicht ernstgemeintes Casting-Format zeigte, hat man sich dieses Jahr etwas ernsthafter mit dem Unterhaltungsbedürfnis der Deutschen beschäftigt und das im Vorhinein sogar entsprechend beworben. Heraus kam eine Mischung aus Big Brother, dem Film Cube und einem Gammelfleischskandal. Neun Personen (ich weigere mich an dieser Stelle sie als Prominente zu bezeichnen) werden in je ca. 8 m² große Kapseln eingesperrt. Alles wurde mit viel Aufwand möglichst futuristisch designed. Jede Person ist auf sich allein gestellt und sieht über den gesamten Zeitraum keine Andere. Einzige Möglichkeit zur Kommunikation ist eine Computerstimme, die keine ist. Bei Betätigung eines roten Buzzers bricht der Proband seinen Aufenthalt ab. Zwei Kandidaten dieser witzlosen Truppe sollte man sogar mal erwähnen. Zum einen ein ehemaliger DSDS Kandidat. Ein geschlechtsloses Etwas mit grünen Schlauchhosen, toupierten Haaren und MakeUp in der Visage. Damit jeder weiß wer es ist: Hier sein neues Video. Was soll man sagen? Er drückte nach einer Stunde den Buzzer und verließ seine Kapsel. Der andere Kandidat ist als Sieger einer Castingshow hervorgegangen und erreichte kurzeitig Bekanntheit. Als “Vollblutrocker” wurde er mit seinem großen Hit angekündigt. Kurz nach seinem Bekanntwerden besuchte er auch das weltweit bekannte Wacken Open Air um der Rocker-Gemeinde zu zeigen, dass er einer von ihnen ist. Man begrüßte ihn mit dem etwas eigenwilligen aber sehr ehrenvollen und traditionellen Gruß, dem nur Wenige zu Teil werden. Das Publikum zeigte ihm geschlossen den Rücken und hob den Mittelfinger in seine Richtung. Tja und der Rest der Bande ist wirklich hoffnungslos unbekannt. Demnach bleibt zu hoffen, dass Pro7 sowohl die Kameras als auch die Öffnungsmechanismen der Türen abschaltet und in den nächsten Jahren einfach den gesamten Sommer Alf Serien bringt.
Fazit: Scheiß Wochenende. Man sollte seine Knete wohl in eine sinnvolle Wochenendgestaltung investieren statt sie der Kirche, dem WWF oder einer terroristischen Organisation (ist ja doch alles dasselbe) zu spenden oder etwas Vernünftiges mit guten Freunden unternehmen.

Das Kino, der Film und der verlorene Kritiker

by Graf von Garstig

Das Kino, der Film
Lässt das Bewusstsein es denn zu, ist das Kino – philosophisch betrachtet – ein Tor zu einer Welt voller Wunder und Märchen. Betritt man sein Atrium, wird man empfangen von gesellschaftstauglichen Opiaten, denen man sich für ein paar Stunden bewusst hingeben möchte, um dem Alltag zu entfliehen und Fantasie zu konsumieren, was einem in der monotonen Arbeitswelt oft verwehrt bleibt oder man dazu anders garnicht fähig ist. Fernab von verschwörerischen Gedanken nur ein zahlungskräftiges Individuum zu sein, welches zu kapitalistischen Zwecken missbraucht und ausgenutzt wird, bleibt im Vordergrund immer der Blick fürs Wesentliche. Vom gesunden Egoismus geleitet genießt man diese Welt der Eindrücke, welche beim Kauf der Kinotickets bereits beginnt. Keineswegs sollte das Erlebnis der Werbung beraubt, des Essen & Trinkens erleichtert werden. Wie einer gesunden Beziehung der (für Außenstehende oft destruktiv wirkende) Streit dient, so soll dem Kino die Werbung und die Genüsse, zum Wohle der leicht empfänglichen Fantasie dienen. Es gibt kein Rezept für den einen Film, welcher überzeugt, weil er einen erreicht, denn alles daran ist einzigartig und die Augen des Betrachters, sowie die Hände des Erschaffers machen diesen seelenlosen Streifen zu einem Film, welcher fast immer entweder geliebt oder gehasst wird.

Der verlorene Kritiker
Gesellschaftlich betrachtet ist das Kino ein Sammelsurium von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wer glaubt das die Thematik des Film dazu beiträgt, typgerechte Zuschauer vorzufinden, der irrt gewaltig. Es gibt Menschen, die skeptisch sind und den Film innerlich verfluchen, nur weil dieser aus einem Industrieland stammt. Es gibt Menschen die dem Kino abgesagt haben, weil sie nie gelernt haben zu diskutieren, Kritik zu äußern und Kritik zu ertragen, dennoch von Freunden und Bekannten mitgezogen werden und es immer wieder versuchen (müssen). Diese Menschen sind es, die ihre Sozialphobie unbewusst gewähren lassen aus Gründen, die sie selbst bereits verdrängt haben. Andere liefern sich dieser Situation bewusst aus und kritisieren energisch die Grundpfeiler guten Kinos: Unterhaltung, oft gewollte, maßlose Ubertreibung sowie eine Welt, die mit unserer nichts gemein hat. Dabei suchen sie die Einzigartigkeit ihres Wesens, indem sie sich komplett entgegengesetzt allem erheben und die bewusst herbeigeführte, fantastische Übertreibung des Films, durch blanken Hohn und unglaubwürdiger Übertreibung kaputt argumentieren wollen. Die oft völlig unhaltbare Kritik wird dann als Aufhänger für tiefere Sinnfragen verwendet und katapultiert den Pseudokritiker unbewusst ins Abseits. Pseudo, weil der Sinn der Kritik nicht dem Aufdecken von Fehlern dient bzw. konstruktiv verwurzelt ist, sondern zu rein egoistischen Zwecken geäußert wird. Zur Veranschaulichung ein kleines Beispiel:
Transformers, ein Film in dem es um das typische Gut und Böse geht. Der Unterhaltungswert dieses Films ist unglaublich hoch, verzichtet man auf unpassende Formen der Selbstdarstellung, die auf Unsicherheit sowie mangelnde Erkenntnisse über seiner Selbst hinweisen. D.h. ein mangelndes Selbstbewusstsein sowie ein gesundes Selbstwertgefühl fehlen an dieser Stelle und sorgen beim Kritiker für einen krankhaften Identikationsversuch mit der eigenen, ausgesprochenen Kritik. Oft gilt die Kritik nicht mehr dem Film, sondern unterbewusst den Kritikgegnern und denunziert alle, die diese Kritik nicht annehmen wollen. Die typische Kritik eines nach Bestätigung suchenden Menschen wäre z.B. der Realismus des Films, die Dialoge sowie darstellerische Fähigkeiten. Es werden Filme von unbekannteren Regisseuren zum Vergleich herangezogen, die absolut nichts Vergleichbares vorweisen, da man nicht Äpfel (“Transformers- amerikanischer Actionfilm) mit Birnen (“Nach der Hochzeit”  – dänisches Drama) vergleichen sollte. Realismus ist in keinen dieser beiden Filme zu finden. Auch wenn der eine logischer erscheint, hat dies nichts mit Realismus zutun. Einzig die Fähigkeit Fantasie anzunehmen bzw. wahrzunehmen, entscheidet wie realistisch etwas in einem Film empfunden wird. Es ist realistisch, dass eine sprechende Maschine von einem fernen Planeten Waffen besitzt, die wir Menschen nicht kennen. Realistisch, weil diese Maschine es auch geschaft hat von Planet A zu Planet B zu reisen. Genauso realistisch ist es, dass Jacob Petersen ein indisches Waisenhaus leitet, welches wegen finanzieller Nöte geschlossen werden muss. Beide Beispiele sind im Universums des Films absolut realistisch.
Übertriebene Ablehnung amerikanischer Filme deuten auf einen ausgeprägten Antiamerikanismus hin und lässt keine sachliche, objektive Kritik mehr zu. Häufig sind es genau diese Kritiker, die den original Ton eines Films vorziehen. Erklärbar wird das ganze, beobachtet man das Umfeld des Kritikers, welcher sich mit Gleichgesinnten in Szenevierteln aufhält und ein bereits vorgelebtes Leben lebt, selbst aber denkt, dass er aus der Masse hervorsticht. Die Originalsprache steht dabei symbolisch für die Verbundenheit mit dem Original einer Sache, einer Überzeugung. Andersherum formuliert: Die Aufbereitung, Anpassung wird nicht gedultet. Diese Einstellung ist oft politisch und auch emotional verwurzelt und zieht sich in alle Bereiche des Lebens. Dabei ist die Unsicherheit ein großer Feind der Sache und es wird versucht dies zu überspielen bzw. mundtot zu machen, indem aggressiv diskutiert wird, da andere Meinungen in den Augen des Kritikers Angriffe sind, gegen die eigene humane, politische Einstellung. Der Kritiker sieht sich im Zugzwang und hat das Gefühl für die Freiheit verloren, die er eigentlich genießt.

Ein weiteres Beispiel, der Film “300″ von Zack Snyder. Filmfreunde waren sich enig, der Film zeigt in einer bisher nie dagewesenen visuellen Schönheit, wie ein actionreicher, fantasievoller Film sein kann. Künstliche Dialoge, Körper und Formen sorgen für eine überwältigende Stimmung beim schauen dieses Films. Das zu behaupten bzw. zuzugeben, verlangt nach einer Wertschätzung für sich selbst. Das Bewusstsein dafür, dass man einen Wert besitzt und auch in der Masse eine Meinung haben darf und diese auch gehört wird. Natürlich gibt es Menschen, denen dieser Film absolut nichts sagt bzw. die keinen Bezug dazu finden – garkeine Frage, absolut nachvollziehbar. Es gibt aber auch Menschen, die erkannt haben, dass dieser Film so überwältigend ist, dass er von der Masse gemocht wird – obwohl er besonders und speziell ist. Sich dieser Masse unterzuordnen fällt ihnen äußerst schwer, da sie sich selbst nicht mehr identifizieren könnten d.h. angst haben unterzugehen in der Masse vieler gemeimsamer Meinungen. Zum Vorschein kam Kritik, mit der niemand gerechnet hätte: Die Perser werden unmenschlich dargestellt und man befürchte, dass das Bild eines Persers sich so in die Köpfe der Gesellschaft brennt. Oder aber, dass es historisch nicht korrekt ist und der Film deshalb unerträglich schlecht wäre. Das Augenmerk richtete sich in diesem Augenblick auf den verlorenen Kritiker, der für einen Moment die gewohnte Aufmerksamkeit genießen konnte.

Frei von jeglichen Zwängen denken und genießen zu können ist etwas wundervolles, dessen man sich absolut bewusst sein sollte. Dabei sich selbst und das Erlebte zu fokussieren, Meinungen zuzulassen, darüber nachzudenken, ggf. aufzunehmen bzw. einzubauen. In diesem Beispiel zum Thema Film.

Hitzewelle

by Graf von Garstig

Ohne große Umschweife möchte ich direkt auf die negativen Aspekte dieser abartigen Hitzewelle eingehen und keinesfalls irgendetwas Positives hervorheben. Selbst das Schreiben dieses Blogs ist mit ständigem kleben bleiben am Notebook verbunden und wirkt sich – jenachdem wie behaart der Unterarm ist – negativ auf die Psyche aus. Unterteilen möchte ich die letzten Tage in zwei unterschiedliche Stufen, welche sich durch die Intensität der Wahrnehmung und dem allgemeinen Stressfaktor unterscheiden: “heiß” und “scheiße heiß”. Wer nun direkt wegen meiner äußerst groben Einteilung anfängt zu transpirieren, dem sei gesagt, dass sich dies alles – wie sollte es auch anders sein – aufs Bus & Bahn fahren beschränkt. Man muss den Bahnen und Bussen zu Gute halten, dass nicht das Gefährt, sondern der Fahrgast dazu beiträgt, dass eine Fahrt in einen dieser öffentlichen Transportmittel beinahe unerträglich wird. Wie hypnotisiert stehen alle herum und schämen sich dafür, dass kein Fenster offen steht, alles so unerträglich klebrig und warm ist, bis man sich dieser armen Wesen erbarmt und ein Fenster öffnet, es zumindest versucht. Nicht selten kommt es aber vor, dass die Fenster verschlossen sind und die Klimaanlage auf Stufe “Genozid” leise vor sich hin surrt, während der Fahrer in seiner Kabine mit wehendem Haar die ersten Textschnipsel des Songs “Like ice in the sunshine…” zum Besten gibt. Die Hose klebt an den Beinen fest und man beobachtet seinen Sitznachbarn heimlich dabei, wie er sich den Schweiß vom Unterarm am Bauch abschmiert und im Zuge dessen ruckartig sein Nasenbrot hochzieht. Jetzt ist es “heiß” und die Augen wandern nervös umher und freuen sich auf jede Haltestelle an denen sich die Tür öffnet und Frischluft den Abtransportierten – uns – gönnerhaft hinzugefügt wird. Oft hört man ein trauriges, dennoch fröhliches Schluchzen – ein Zeichen der absoluten Wertschätzung dieser gnädigen, ja christlichen Aktion. Arschwasser hoch bis zum Rücken, selbst an den Augenbrauen seilen sich salzige Schweißperlen herab um dann stillschweigend in den Schritt zu plumpsen. “Entschuldigen sie mal..” kündigt sich das nächste Unglück an und ehe man sich versieht ist das einzige Fenster, welches nicht verschlossen war, zugeklappt. “Zugluft, ganz böse für meinen Nacken” entschuldigt sich die nette, faltige Dame, die wohl nicht daran dachte, dass eine heranwalzende Faustattacke auch böse für ihren Nacken wäre. In Zeiten wie diesen ist eine solche Bemerkung geschmacklos und deshalb werde ich sie nicht zurückziehen. Der Köter dieser Dame sitzt hechelnd auf ihrem Schoß und verschmutzt mit seinem Chappi-Atem die eh schon völlig zermümmelte Luft. Wäre sie wirklich dieses Arschloch aus meinen Gedanken, dann würde sie Scheiße schwitzen.. tut sie aber nicht, sie sitzt einfach da und bewegt entschuldigend ihren Kopf und vollführt dabei Nackengymnastik par excellence. Es ist immer noch “heiß”. Erst wenn der Zug außerplanmäßig und in der Sonne zum stehen kommt, weil irgendein Irrer Bio-Aktivist auf den Gleisen herumrennt.. erst wenn die schranzigsten Fahrgäste sich hektisch bewegen um diese Bio-Aktivisten-Aktion untermenschlich dumm zu kommentieren.. erst wenn jegliche, irdische Hülle am Menschen abblättert, in dieser dramatischen Situation, und nur ein Häufchen glibbernde, übelrichende Ursuppe mit Augen, Mund und Ohren übrig bleibt… ERST wenn der schäbigste Ziehharmonika Dudler sich enttarnt und sein verwahrlostes, vollgeschwitztes, durchgenudeltes Drecksinstrument mit einem Lächeln, aufgerissenen Augen und flatterndem Oberlippenbart anspielt… ERST WENN DIESER GANZE HAUFEN MENSCHHEIT IN VOLLER PRACHT EXISITIERT.. und man es dummerweise wahrnimmt.. dann ist man kurz vor dem Zustand des “scheiße heiß”. Ohja, dann reicht das Geräusch einer sich öffnenden Bierdose, der obgligatorische Fahrradfahrer inkl. Fahrrad oder das Glitzershirt inkl. Träger, der sich mit gekonntem Hechtsprung durch die schließende Tür schlängelt, dieses russische Akrobatenwunder! Oh.. dann bersten die Poren, die Wahrnehmung versagt, die Augen platzen und der ganze Rotz sprudelt über den Boden… bis man endgültig und lautstark explodiert. Ende.

WM, Kot und Argentinien

by Graf von Garstig

Bevor die WM endet, muss ich diese Geschichte einfach schreiben. Viele sprechen immer von diesem einen Zauber, der uns alle zusammenführt, uns verbindet und dieses eine, große Ereignis feiern, ja fast schon leben lässt. Gemeinschaft und Liebe wohin das Auge schaut und ich durfte Zeuge werden dieser spektakulären, weltweiten Feierlichkeit, an dem fast Tag für Tag, eine begrenzte Zeit, Mannschaften die ihr Land vertreten, aufeinandertreffen. Kinder, jeder Hautfarbe, laufen mit den Spielern ein und symbolisieren, dass nicht die Nationalität und nicht die Sprache davon abhalten kann, weltweit ein und dasselbe zu wollen, zu fühlen – einfach zu spielen.
Argentinien hat sicherlich ähnlich gedacht, als sie das vierte Tor empfingen – von uns Deutschen, auch wenn es nicht den Anschein hatte. Entzückt schaute ich in den Fernseher und empfand tiefe Freude beim Anblick der verbitterten Argentinier. Maradonas heilige Rosenkranz Linke stand stillt, der Wind wehte durch seinen graumelierten Bart, die Spieler weinten und die Fans standen einfach herum, angemalt und zerknautscht. Darauf eine kalte Apfelschorle! Überall diese traurigen, vorbeiziehenden Gesichter der Argentinier – der Kameramann verstand sein Handwerk und ich konnte mich einfach nicht losreißen vom Fernsehbild. Voller Freude saß ich also da, bis mein Glück gestört wurde. Ein klopfen am Fenster, die Jalousien waren der Hitze wegen unten. Naja gut, wird wohl ein Vogel gewesen sein, der aus wettertechnischen Gründen an meiner Panoramascheibe zerschellte – nichts beunruhigendes also. Aber es klopfte erneut und zusätzlich vernahm ich ein menschliches Genuschel. Man sollte erwähnen, dass ich schon etwas abgelegen wohne und das Fenster auf eine Art Hof zeigt, wo sich normalerweise niemand befindet. Ich pellte mich also von der Couch, öffnete die Jalousien und schaute herab. Ein kleiner Mann, mittleren Alters stand dort, kein Deutscher und er schimpfte mit meiner Wand, meinem Fenster, in einer Sprache die ich zuerst nicht verstand. Ich rief meine Freundin “Hey, da steht ein kleiner Typ der erbost wirkt!”. Als ich bemerkte, dass diesem Mann die Hose halb offen stand und er deutlich roch, erweiterte ich meinen Satz mit dem Zusatz: “.. und er hat die Hände voller Kot!”. Richtig, ich stand dort und hörte mir sein wohl spanisches Gemecker an, roch seinen Dunst und verweilte einen Moment, bis ich reagieren konnte: “Speak english please.. or german?”. Er schaute mich an und meckerte weiter. Als er dann seinen Zeigefinger hob, an dem ungelogen ein Stück Exkrement hing und damit Richtung Fernseherton zeigte, wusste ich was Sache war: Er schien überwältigt vom deutschen Sieg und vor Freude hats ihm direkt in die Buchs gezimmert. Hm, was aber nicht das Meckern erklärt. Ich überdachte mein Gedachtes und kam zum Entschluss, dass er wohl Argentinier sein musste. Aber wieso drohte er mir indirekt mit seinem Stuhl? Ich sagte zu ihm, dass er doch bitte gehen solle, da er mir ja garnicht zuhörte! Ich fragte ob etwas sei, ich fragte ob er etwas braucht – aber er meckerte nur und roch. Ich schloss das Fenster und senkte die Jalousien. Um zu überprüfen, ob dieser Mann mir wohlmöglich ein Andenken direkt vor mein Fenster hinterlassen hat, zog ich mir die Schuhe an und verließ die Wohnung. Er hatte sich in dieser Zeit schon weiter bewegt und stand nicht mehr da, wo ich ihn vermutete. Ich umquerte die Wohnung, suchte nach Zeichen und da stand er aufeinmal – vor einem Müllcontainer für Plastik. Völlig aufgelöst rüttelte er am gelben Deckel dieses wehrlosen Containers und verfluchte förmlich die Mechanik die im verwehrte den Inhalt zu sehen. Ein Deckel zum klappen, zu viel für einen enttäuschten Fußballfan, der auch nicht zurückschreckt andere Menschen mit seinem Kot zu bedrohen. Als würde er Ihn zusammenschlagen wollen riss er den Container mit voller Wucht an sich heran.. und an diesem Punkt wurde mir warm, ich war genervt und hatte keine Lust mehr auf diesen Menschen. Ich trat den Container mit voller Wucht zurück an seinen Platz und sprach in ruhigem Ton, unterstützt durch eine deutliche, dennoch ruhige Geste: (zu deutsch) “Scher dich hinfort, du Lutscher”. Es wurde ruhig und er ließ ab vom Containerdeckel, drehte sich um und torkelte der Sonne entgegen. Das war die Geschichte von der WM, viel Kot und einem traurigem Argentinier.

Krise mit der BP-Krise

by Graf von Garstig

Die Worte “Dumm gelaufen” umschreiben ganz gut, was da seit dem 20 April passiert ist. Überall Öl, was ‘ne Sauerei! Aus aller Welt strömen Menschen und formieren sich zu wertlosen Protestklumpen, um zu ermahnen und um auszusprechen, was man als Industrieland nicht mal denken sollte: “Überall Öl, was’ ne Sauerei!” .. Ok, den hatten wir bereits. Was passiert aber noch? Es werden z.B. Protestseiten eingerichtet, auf denen unteranderem dazu aufgerufen wird Aral Tankstellen zu boykottieren. Tanke ich nun bei Shell, so bin ich also ein ernstzunehmender Protestierender? Oder ist dies nur eine Sofortmaßnahme um die Schuldigkeit dieser Katastrophe von mir abzuwenden? Nagelt BP ans Kreuz!

So wirklich nachvollziehbar erscheint mir das Handeln der Menschen nicht. Wieso schimpfen alle auf BP? Vorher lief doch alles gut und Niemanden hat auch nur ansatzweise interessiert, was dort passiert. Wir kaufen Elektroartikel, Plastikspielzeug und auch Körperpflegeprodukte. Fahren auf Straßen (mit Autos die Benzin tanken) und kaufen uns beim Aldi Plastiktüten, weil Jutebeutel schwul sind. Und jetzt sollen wir Aral boykottieren, nur weil es auch für die debilste Pfeife greifbar und verständlich ist? So ein Schund. Wie soll diese Luxus verseuchte Prinzessinnenwelt funktionieren, wenn da nicht der Luxus wäre? Kostet ein Stückchen Rindfleisch mal 13 Cent mehr, dann kackt sich die Hälfte der Paybackkarten Besitzer direkt ein, weil es ja nicht angehen kann.. “Nein, sowas ist unerhört!”. Der durschnittliche Fußballfan erwartet Tiefkühltruhen wohin das Auge reicht, gefüllt mit zu Tode medikamentierem Fleisch.  Selbst die Tiefkühltruhen würden wie eine gallertartige Masse dahinsiechen, wäre da nicht das Öl. Aber darüber denkt keiner nach, weil Dinge stumpf und unreflektiert nachgelabert werden. Da fliegt man lieber mit einem 0,19 Cent Flug nach Südafrika um Fußball zu gucken. Die Straßen so sauber und ordentlich, kein obdachloses Negerkind weit und breit? Richtig, wurden ja schließlich auch alle aus der Stadt geprügelt. Boykottieren wir nun Importware aus Afrika? Nö, juckt ja niemanden – Fußball gucken ist spannender. Oh doch, Elfenbein, denn darüber gabs ja mal mal einen Bericht auf ZDF, direkt vorm Frühjahrsfest der Volksmusik. Als wäre es total überraschend und fern von jeglicher Realität, dass für diesen Luxus wahrhaftig Dinge geschehen, die zum Einen nicht immer gut gehen, zum Anderen absolut unhuman sind. Ja, auch wenn irgendeine Grinse-Olle elegant vor einem Kühlschrank rumturnen kann: nein, in der Milchschnitte ist nicht nur Getreide, Milch und Honig drin. Überrascht? Ok noch ein Beispiel: Auch wenn in einem McDonalds nur vertrottelte Sportstudenten und Castingshow Verlierer einen Salat essen: dort gibt es auch Fleisch (ja richtig, von (obacht) toten Tieren). Ich hoffe PETA Aktivisten werden nicht direkt zu spontanen Tierbefreiungsaktionen aufrufen und alte, Pelz tragende Omas erschlagen. Und wenn doch, dann boykottieren wir .. ja, was boykottieren wir dann? Dann quälen wir Tiere? So ein Schwachsinn. Aber ich wäre Shell-Sympathisant, würden sie aus Misanthropie dazu aufrufen Aral zu boykottieren und bei Shell zu tanken. Was für ein Spaß! Eine Zauberwelt wie diese funktioniert halt so. Das gilt leider auch für alle durch die Welt reisenden, Africola trinkenden, Dinkelbrot kaufenden, “Bio”-Symbol anbetenden, Mutli-Kulti liebenden, aufs iPhone onanierenden, Cordhose tragenden, pseudointellektuellen Facebookprofil-Neurotiker, die Boykottseiten bauen, weil sie geil auf Mitglieder sind und dann in Frieden vor dem Full-HD Plasma Fernseher bei einem 90er Jahre Softporno einschlafen können.

Auf leeres Gerede kann man nicht lebendig reagieren und tut besser daran, nicht zuzuhören, sondern sich auf eigene Gedanken zu konzentrieren.

(Erich Fromm)

Screw that!

Abenteuer Anti

by Hansen de Sadé

Ja es geht wieder um die WM; Nein ich verfolge sie immer noch nicht und ich dachte mir bevor mein Unmut wieder abebbt schreibe ich mich frei von diesen negativen Gefühlen. Man kann sagen was man will, aber wenn es um die Meinung zur WM geht scheiden sich die Geister. Auf der einen Seite ich, auf der Anderen alle anderen, so scheint es zumindest. Freunde die anfangs noch meine Meinung teilten rudern jetzt zurück und finden es zwar noch immer doof, schauen aber schon das eine oder andere Spiel. Ja sogar meine Freundin, mit der ich noch vor der WM vereinbart hatte, dass wir uns nicht ein Spiel ansehen werden, lässt es jetzt „so nebenbei laufen“. Aber naja, ich lass ihnen ihre Verblendung durchgehen. Es ist ja auch nicht leicht all dem zu entgehen. Wenn man eine Zeit lang mit Scheiße beworfen wird, fängt man halt von allein an danach zu stinken.
Eine kleine Anekdote dazu vom vergangenen Sonntag:
Meine Freundin hatte die glorreiche Idee „nochmal schnell“ auf den Kiez zu gehen, denn dort hätte ein Laden geöffnet aus dem sie noch etwas benötige. Warum auch nicht, war ja ein schöner Tag und mein Kater vom Samstag regte sich nur noch, wenn ich meinen Kopf allzu hecktisch bewegte.
Schon in der S-Bahn bemerkten wir unseren Fehler. Die Türen öffneten und ein warmer Hauch schlug uns entgegen. Identifizierbar war Schweiß, Alkohol und Exkremente, was nicht heißt, dass das alles war. Es gab zwar keinen freien Sitzplatz für uns, dafür aber jede Menge boshafte Blicke. Da bemerkte ich was hier falsch lief. Wir hatten weder Fußball-Trikots an, noch hatten wir irgendwelche Accessoires in nationalen Farbe am Leib. Drei Stationen können verdammt lang sein. Doch hingegen allen Vermutungen meinerseits schafften wir es lebend bis zur Reeperbahn. Begrüßt wurden wir von einer grölenden, renitenten Masse aus Schwarz, Rot und Gold und vereinzelten, gut gepolsterten Bundesbeamten. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass sie hämisch gegrinst haben, als sie meinen genervten Blick sahen. Als wir die erste Treppe geschafft hatten suchte ich vergeblich nach dem Behälter in den alle ihr Hirn werfen bevor sie ganz rausgehen. Oben angekommen verwandelte sich der Fehler in einen sog. „Epic Fail“. Etwas versuchte mit mir zu reden, allerdings konnte ich es nicht richtig verstehen, da es so laut war. Es hörte sich an wie ein „TRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖT“ und es verursachte einen Hörsturz mittlerer Schwere bei mir. So weit das Auge reichte Schwarz, Rot und Gold, Trillerpfeifenverkäufer und knatternde Harleys (Harley-Days waren zu Ende). Glücklicherweise war unser Ziel nur etwa 100 Meter entfernt. Wie lang und anstrengend 100 Meter sein können will ich nicht weiter ausführen. Es galt die letzte Hürde zu nehmen. Drei junge Männer mit Migranten-Hintergrund wegelagerten vor dem Laden. Ihre Waffen: Trillerpfeifen, Galgenstricke in Nationalfarben und Blütenform und so eine dämliche Tröte. Ich erwischte mich wie ich mir meine eigenen Chancen ausrechnete, stoppte aber, als mir bewusst wurde, dass wir vermutlich den kürzeren gezogen hätten. Aber wir hatten es geschafft, wir hatten den Laden erreicht. Ähnlich gestaltete sich dann auch der Rückweg. Nur in der S-Bahn war es wieder erträglich, da das Spiel soeben begonnen hatte.
Meinen Sonntag rettete mir dann ein Eis auf meinem Balkon, während ich die herrliche Stille genoss.
Und zum Schluss ein paar passende Worte von Farin Urlaub.

Bitte versteht mein Verhalten als Zeichen der Ablehnung mit der ich euch gegenüberstehe.

(aus dem Song Rebell vom Album 13 (1998) von die Ärzte)

Deutschland, wir weben dein Leichentuch

by Hansen de Sadé

Die Wunde ist ja bereits geöffnet, darf es noch etwas Salz sein? Nein ich will mich hier nicht zum äußerst fragwürdigen Nationalstolz äußern, dazu ist, denke ich, alles gesagt. Aber was mir wirklich unendlich auf den Keks geht, ist diese hirnlose Stimmungsmache. Abgesehen davon, dass Werbung ohnehin schon sehr verzichtbar für mich ist, wird man inzwischen in nahezu jedem Werbespot mit WM Müll beworfen, dass man sich wünscht, man würde aufwachen und alles war nur ein böser Traum. Ähnlich wie bei der Erkenntnis, was aus Max Wright wurde, nachdem die letzte Alf-Folge abgedreht war. Ich bin mit dieser 80er Jahre Sitcom aufgewachsen. Willie Tanner (Max Wright) war der König der Spießer und obendrein gewährte er einem katzenfressenden, Pelzwesen vom Planeten Melmac Obdach. Max Wright war auch in der Realität verheiratet und hatte zwei Kinder. Nachdem er aber schwer krank wurde und sich seine Frau von ihm scheiden ließ, ging es stark bergab. 2001 erreichte seine Karriere den Tiefpunkt. Es erschienen Fotos von ihm in der Boulevard-Presse auf denen er Crack aus einer Dose rauchte und sich gerade mit zwei Obdachlosen vergnügte. Das hat mich wirklich schwer erschüttert und machte mich schließlich wohl so verbittert wie ich es jetzt bin. Parallel zu dieser Anekdote habe ich wahrscheinlich das Schicksal von Lucas Podolski prophezeit und wir sind mit einer flotten Überleitung wieder beim Thema.
Fahnen wohin das Auge sieht, bemalte Autorückspiegel auf allen Straßen, billige Rexona-Synthetik-Trikots in den Fußgängerzonen, Panini-Aufkleber mit debil dreinblickenden Sportlern, alles und jeder wirbt mit einem speziellem WM-Sonderangebot. Es kommt sogar soweit, dass man vom Chef irgendwelche Mails mit kecken Fußball-Sprüchen bekommt. Deutschland im Ausnahmezustand Hirn-StandBy-Zustand.
Und jedes Mal wenn ich diese sinnfreien Fahnen sehe denke ich an Heine, der es (wenn auch unter anderen Umständen) schon früher erkannte:

Deutschland, wir weben dein Leichentuch[...]

(aus dem Gedicht “Die schlesischen Weber” von Heinrich Heine, 1844)

Am Samstag war übrigens nicht nur der letzte Tag vor Deutschlands erstem Spiel sondern auch der „Internationale Tag gegen Kinderarbeit”…wie passend.

(Wer den Zusammenhang jetzt nicht versteht, schaltet bitte ZDF ein und lauscht weiter Günter Netzer)

Die Blockbrille

by Graf von Garstig

Die Blockbrille – ein Mysterium, für viele ein Statussymbol, ein Kompensationsgegenstand. Sucht man nach ihr in Google, wird anhand der ersten Suchtreffer schnell klar, wer sie entdeckt hat.
Getragen von verwöhnten Studenten, die sich die Sorgen aus Imagegründen herbei dichten. Von Kunstspasten, die auch den todschicken Seidenschal im Sommer tragen und natürlich Szeneviertel-Bewohner, die Ihren Cafe Latte mit Zimtaroma auf Holzbänken am Straßenrand schnabulieren. Ja, die Blockbrille ist vielschichtig und wird von den verschiedensten Personen getragen, ob Männlein oder Weiblein, ob groß oder klein, ob dumm oder.. dumm. Gefertigt von Engeln erster Stunde, aus den feinsten und reinsten Materialien dieser Erde, geschmolzen und geschmiedet am Schicksalsberg von Mordor (ja ihr Geeks, damit hätte ich auch eure Aufmerksamkeit), und lackiert mit dem feinsten Schwarzton, welcher durch ein aufwändiges Verfahren destiliert wird – aus den Pupillen junger Wale. Und nun denkt ihr “Oho, du Schelm, noch eine Steigerung? Wohl eher nicht!” – oh doch, denn es eignet sich dafür nur das rechte Walauge, der Rest wird bei Vollmond verbrannt. Dieses Objekt der Begierde ist mehr als nur Kult und verlangt dem Hersteller sowie Träger alles ab. Bei  diesem Reichtum an Individualität und Kunst, komprimiert und geformt zu einem hoch sexuellem Objekt, der Gesellschaft kredenzt .. einzig auf einer Nase. Wahnsinn und Intellekt – zwei Worte die nicht auszudrücken vermögen, welch unmenschlichen Kräfte von dieser Brille ausgehen.. direkt auf die Geschlechtsorgane des Trägers. Der Mensch überzeugt durch Musik, Kunst und Literatur.. seine Seele kann dadurch sichtbar werden – gesehen werden kann sie jedoch nur durch diese einigartige Brille – die Blockbrille.

Ohja, dies ist die Wahrheit …
ich werde dafür brennen, dass ichs euch verriet..
ich werde dafür hängen, an meinem Glied.
Die Brille jedoch wird ewig leben,
geschaffen um euch Kraft zu geben, zu schweben,
auf Anhöhen die ein Sterblicher nie erreicht!
Und nun steh ich hier als Mensch..
und..  und..
Mensch..

Ficken! Auf Mensch reimt sich nichts, kein Bock mehr..

WM

by Der Herr Narr

Und was macht man als erstes, wenn die WM startet? Genau! Man schart seine Kollegen um sich und vereinbart einen Wetteinsatz auf die WM. Da das einfache Wetten auf den Sieger des Turniers nicht nur langweilig an sich ist, da es einfach jeder tut, sondern bei weitem in meinen Augen bei dieser WM auch nicht so interessant ist, haben wir einfach beschlossen auf etwas anderes zu wetten.
Vielleicht liegt es an der Tatsache, dass die meisten Beteiligten an dieser Wette nicht ganz so fußballaffin sind wie der Durchschnittsdeutsche (die mit den Tröten, Bierbäuchen und dem Weizen in der Hand), dass sich das Wettspektrum auf einen anderen Aspekt des Turniers verlagert hat.

Die Wette geht nun so. Wie viele Menschen werden während der Fußball-WM vor Ort das Leben verlieren? Naturkatastrophen sind dabei ausgenommen. Gezählt werden lediglich direkt an der WM teilnehmenden Personen – seien es Spieler, Servicepersonal oder Fans. Zudem zählen Ablebende in den Mannschaftsunterkünften, Trainingseinrichtungen und den Mannschaftsgefährten. Auf den ersten Blick mag das pietätlos und makaber anmuten (na gut, auf den zweiten oder dritten auch), aber ich halte das immer noch für weniger bedenklich als die Tatsache, dass man deutsche Fans im Fernsehen sehen musste, welche auf manche Fragen recht interessante Antworten hatten. So antwortete beispielsweise eine Dame mittleren Alters (mit ihrem süßen kleinen dicken Blag auf dem Arm) auf die Frage, was sie schlimmer fände: dass für den Bauplatz der Stadien in Südafrika Schulen und gemeinnützige Einrichtungen abgerissen werden mussten oder dass Michael Ballack nicht am Turnier teilnehmen könne…

Na ja, drei Mal dürft ihr raten. Das Ausscheiden dieses mittelbegnadeten Individuums war für sie natürlich um einiges erschütternder, was sie auch durch eine empörte Miene und eine kräftige, klare Antwort zu verstehen gab.
Die anderen grölenden jugendlichen Zukunfts-Hartzer haben dann ihr übriges zu dem Bild beigetragen. Aber so ist das deutsche Gemüt. Sobald ein Ball rollt und man überall jeden Mist in Schwarz-Rot-Gold kaufen kann, sind sie auf einmal noch einfältiger als sonst, auch wenn das zuweilen schwer vorstellbar ist. Da sind Menschenrechtsverletzungen und blutende Kadaver in den Straßen einfach mal einerlei und man ist sich ziemlich sicher, dass, sollte von Schüssen gesprochen werden, natürlich nur welche auf ein Tor gemeint sein können. Ja, dann sind auch die nächsten Steuererhöhungen und Zusatzgebühren einfach mal vergessen, bis sie durchgeboxt sind. Und nachdem man sich freudig in der Kneipe zum Sieg in der Vorrunde besoffen hat (oder weinend die Niederlage im Alkohol erstickt wurde), ist man dann eh der Meinung, dass es sowieso
immer schon so gewesen wäre.

Aber so ist das nun mal. So wird es immer sein. Und während alle anderen weiter auf den Turniersieg setzen, werden meine Wettkollegen und ich sehen, was die Schattenseite des Turniers bereithält. Die Zeit direkt vor der WM war da ja schon sehr vielversprechend…

Politik – kurz und knapp erklärt – aus der Sicht eines unterbelichteten Bürgers

by Graf von Garstig

Die Politik ist ein Zusammenschluß aus nach Karriere strebenden Menschen, welche sich aus egoistischen Zwecken eine politische fast-Immunität zu nutze machen. Dabei spielt das Geschlecht keine größere Rolle, wichtig ist der Grad an Unverfrorenheit gepaart mit Rhetorik, die der Politiker dabei an den Tag legt. Der Politiker ist oft ein medienscheues Geschöpf, welches aber nach und nach den Aufstieg anstrebt. Die Partei ist dabei – mal mehr und mal weniger – das Karrieresprungbrett und vertritt eine Reihe von Meinungen, welche durch Meinungsumfragen denen des Volkes so gut wie möglich angepasst werden. Da der Politiker auch nur ein Mensch ist, die angestrebten Positionen erreichen möchte und die Stimme des Volks benötigt, beschränkt sich die gesamte Politik für das Volk auf den Spruch “Politik wird fürs Volk gemacht”, der Rest kommt dann kirchlichen Oberhäuptern, höheren Politikern und der Wirtschaft und deren Lenkern zugute. Das Volk soll dabei aber nicht verprellt werden und darf alle paar Jahre wählen gehen. Die Parteien putzen sich für dieses große Ereignis ganz besondern heraus und “optimieren” ihre Meinungen. Steuern sollen gesenkt werden, Kindergeld erhöht und jeder verspricht, dass sich alles zum Positiven verändern wird. In diesem “Wahlkampf” gibt es auch Parteien, die garnicht erklären können woher das ganze Geld kommen soll – was den Bürger oft garnicht irritiert. Dieser hört nur “mehr Geld” und geht mit dieser Motivation wählen. Zuvor jedoch gibt es bunte Medienduelle, Hochrechnungen und überall Umfragen. Dabei erzählen die Politiker viele hochinteressante Geschichten, welche nichts mit der Realität zutun haben, sich dafür aber wirklich toll anhören. Wenn dann die Partei(en) gewählt wurden, welche dieses Land regieren sollen, beruhigt sich wieder alles und die Ernüchterung folgt: Langsam werden – auf höchstem, rhetorischem Niveau – die zuvor getroffenen Versprechungen zurückgefahren, bis sie irgendwann gänzlich verschwunden sind. Dafür wird über Umwege erzählt, dass z.B. eine neue Steuer eingeführt wird, die für z.B. Gaslieferanten gilt.. die wiederum sich dann ins Fäusstchen lachen, da sie sich ihre Mehrkosten eh beim Endverbraucher zurückholen – was die Parteien auch wissen. Milliarden werden verschenkt, damit Vorstände nichts verlieren müssen, Gesetze werden verändert, damit auch die Karriere nach der politischen Karriere gesichert ist. An der Bildung wird gespart um “SofortmaßnahmenSpecialForcePakete” zu schnüren, welche kurze Zeit später im Nirvana verpuffen. Wilde Diskussionen werden innerhalb ihrer Kaste gehalten, um persönliche Angriffe loszuwerden, wovon dann die absoluten Highlights als Schlagzeile in die Medien kommen. “Er wurde Rumpelstilzchen genannt, Skandal!” ließt man dann in den Zeitschriften und fühlt sich in Kindergartenzeiten zurück versetzt. Ab und zu wird mit den Steuern eine Reise oder Nutten finanziert, welche dann geschickt unter den Tisch gelogen werden (.. unter den Tisch..). Hier ein Flug der Umweltministerin, da eine durch Steuern finanzierte Reisebegleitung des Außenministers. Alles ganz normal, denn so wirklich was dagegen tun kann eh niemand. Läuft mal etwas völlig daneben in diesem Land, dann wird der Schuldige gesucht: Oft sinds die Arbeitslosen, die einfach zuviel Geld kosten.. dicht gefolgt von den Normalverdienern, die keine Kinder in die Welt setzen wollen.. direkt danach die Rentner, die eh nicht soviel brauchen. Mitten drin die GEZ, die von Politikern unterstützt wird, da alle dran mitverdienen wollen.. gefolgt von Kindern, Jugendlichen, Islamisten, Amerikanern und Griechen, Halleluja! Hat man selbst dafür irgendwelche Steuern erfunden (z.B. die “ich-darf-ein-Islamist-sein-Steuer”), dann schreit ein Grüner von ganz weit hinten: “Was ist eigentlich mit den Spitzenverdienern?”… und dann.. ja dann wird erstmal debattiert.. Wochen lang, Monate lang, bis das Thema keinen mehr interessiert, da z.B. wieder eine WM vor der Tür steht. Gewinnt Deutschland, dann sieht man aufeinmal überall Politiker, wie sie grinsend neben den Fußballstars stehen. Sie sind in den Stadien, in den Nachrichten und selbst in den Umkleidekabinen unter der Dusche. Von wem wurde Lena empfangen in Hannover? Richtig. Stehen dann wieder Wahlen an, dann ist jeder interessiert und diskutiert auf Arbeit, in der Bahn, beim Essen und am Stammtisch. “Diesmal die CDU, die SPD hats ja nun wirklich nicht gebracht. Wenn das nicht hilft, dann mal gucken..”. Und da wir ja den totalen Aufschwung seit 20 Jahren erleben, die Preise konstant bleiben, die Renten sicher sind, unsere Kinder es gut haben werden bzw. bereits gut haben, Kindergärten und Tagesmütter für jeden bezahlbar sind und Familien vom Staat unterstützt werden, die Krankenkassen immer mehr leisten und man weniger arbeiten muss bis zur Rente, kann man mit stolz geschwollener Brust sagen: Ja, Politik funktioniert (.. ist man ein Politiker)